P. Carlos Romo Sanz

Pfarrvikar

20210905_23 Sonntag im Jahreskreis_B

20210905_23 Sonntag im Jahreskreis_B

 

Wir sind in der Wahlperiode, in einer Zeit der Unterscheidung und der Entscheidung. Da sucht man nach markanten Kriterien, um sich für diesen oder für jenen Kandidaten zu entscheiden. Dumm wäre, wenn ich mich entscheide für einen, weil der sympathischer ist, besser spricht, mehr als der andere verspricht. Damit erkläre ich mich als kein guter Wähler. Einen Kandidaten zu wählen soll auf festen überzeugenden Kriterien begründet sein. Zum Beispiel, ob mein Kandidat mehr Entscheidungskraft, mehr Visionen und Differenzierungsvermögen in einer Situation besitzt als die anderen und nicht einen anderen Afghanistan-Fehler begeht. Mein Votum ist wichtig, denn ich kann die Zukunft der Nation mitentscheiden. Christus ist die Nation. Ich würde Christus, der Nation, der Kirche, der Gemeinde Schaden zufügen, wenn ich die Auswahl einer Person praktiziere, um einen eigenen Gewinn damit zu erreichen. Ich würde Christus Schaden zufügen, denn er ist derselbe in jeder Person der Gemeinde. Jede Person der Gemeinde hat eine Würde, weil Christus in ihr ist. Wir können viele Unterscheidungen machen, dieser ist sympathisch, klug, gelehrt, der andere ist ein bisschen dumm, einfach, unsympathisch. Sie erregen in mir Abneigung, Ablehnung, Abstand. Wenn ich so handle, sehe ich Christus in dem anderen nicht. So verletze ich den Glauben an Christus und ich handle nicht so wie er, „der alles gut gemacht hat“. Wenn Christus das Zentrum meines Lebens ist, ist es selbst verständlich, dass ich mich wie Er verhalte. So würde ich wie Christus handeln, „der alles gut gemacht hat“. Wer es so macht, ist im inneren Gebet. Gut handeln, wie Christus ist Gebet. Der kann gut beten.

Wir können uns fragen, was hat Christus gut mit uns gemacht? Einiges schon. Christus hat uns erlöst, vom Bösen befreit. Er hat uns ein großes Potenzial gegeben, die sogenannte Heiligmachende Gnade. Und auf Grund dessen hat uns der Vater als seine „geliebten Kinder“ angenommen. Als Kinder sind wir in eine Beziehung mit Christus und mit dem Vater eingetreten. Das ist die Nation von Christus. Wenn ich ihn wähle, wähle ich diese Welt. In dieser Welt gilt: lieben wie Christus geliebt hat. Das bedeutet: nicht durch Ansehen zu unterscheiden. Wir alle tragen die Würde der Gotteskindschaft. So haben wir es im Tagesgebet erkannt. Wenn wir dann auf einen Menschen treffen, sollen wir in ihm ein Kind Gottes sehen, sonst schaden wir dem Glauben an Christus. 

Wir wählen einen Kandidaten, weil er Vieles verspricht. Er überzeugt uns und wir wählen ihn. Aber wir erwarten auch, dass er die Versprechungen umsetzt. Er soll wirken, was er versprochen hat. Christus und der Vater sind wie Politiker, die viel versprechen. Aber sie handeln auch. Wir als Wähler sollen mitmachen. Sie versprechen uns die wahre Freiheit und das ewige Erbe. Die Schenkung ist eine Wirkung Gottes in uns. Christus hat uns das notwendige Potenzial gegeben, um das Böse in uns auszurotten. Das bedeutet die Erlangung von Freiheit. Aber ich soll mit der Freiheit, so wie mit der Gnade handeln. Mit der Befreiung vom Bösen kann ich das Gute wirken, den Bruder lieben wie Christus uns geliebt hat. Die Politik sichert die Freiheit, damit ich die Freiheit für etwas Gutes benutze.  Ich darf sie nicht missbrauchen. Gott wirkt in uns, damit wir mit dem Geschenkten entsprechend wirken. Es ist so, als würden sich die Politiker und die Bürger einig fühlen. So sollen wir uns mehr mit Gott verbinden. Gott wird uns nicht eine höhere Rente geben, wie es ein Politiker machen kann, sondern ein größeres Erbe in der Ewigkeit, das ein Politiker nicht geben kann. Also bitten wir Gott, dass er uns etwas gibt. Aber dann sollen wir mit dem Empfangenen handeln. Nur so können wir heilige Kinder werden und ein großes Erbe erhalten. Für Christus geht es darum, dass wir als Kinder Gottes uns umwandeln und heiligen und ihm gleich werden. So möchte er aus uns einen Himmel machen, wo der Vater und der Sohn in einer gemeinsamen Liebe eins mit uns sind. So wird unsere Würde verherrlicht, denn wir können wie eine Familie mit Gott erleben. Wir werden in einem Reich leben, wie der Mensch es in seiner Geschichte nicht schaffen könnte. Ohne Krieg und Gewalt, gerecht und friedlich. Dafür aber müssen wir uns für Gott Vater in jedem Moment entscheiden, und nicht alle vier Jahre. Das ist ständiges Gebet. Gott Vater ständig im Herz tragen und mit ihm und Christus, „der alles gut gemacht hat“, unser Leben gestalten.

Mit Gott zu wirken macht uns alle zu „geliebten Kinder eines gemeinsamen Vaters“. Dieses Ziel verbindet uns alle, als Brüder und Schwestern desselben Vaters. Dieses Ziel zusammen zu erreichen, macht uns zu Gemeinschaft, zu missionarischer Kirche. Der Vater wartet auf uns alle, um uns zu verherrlichen.

20210722_Hl.Maria Magdalena

20210722_Hl.Maria Magdalena

Hld 3,1-4a/ 2 Kor 5,14-17

„Ich suchte ihn, den meine Seele liebt und fand nichts. Und da fand ich ihn, den meine Seele liebt“. Dieser Text erinnert mich an mein Dorf in der Sommernacht. Ich gehe in dunklen Straßen als kleines Kind und immer wieder fand ich junge verlobte Paare in dunkeln und stillen Ecken, oder an der Tür des Hauses. Ich sah neugierig, wie sie plauderten oder sich küssten. In jenen romantischen Sommernächten im Dorf hatten sie den gefunden, den sie liebten. Es könnte jeder von uns sein. Das Evangelium stellt uns die Person von Maria Magdalena vor, sie passt genau zur Braut des Hoheliedes. Diese Braut ist das Symbol heute in diesem Gottesdienst von unserer Liebe als Menschen zu Christus. Maria Magdalena sollte es uns also zum Nachdenken bewegen.

Sicher haben Sie so etwas als verheiratete Menschen erlebt. Die ganz, von Kopf bis Fuße, verliebt waren. Irgendwann habe sie ihren Mann, Ihre Frau kennengelernt. Er oder Sie hatte Ihnen gefallen; dann irgendwie entsprang die Liebe. Und Sie sagten sich: Dies ist mein Mann, dies ist meine Frau. So erzählte mir eine Person. Ich hatte eine lange und glückliche Ehe, die nicht zu vergessen ist. Der Mann starb. Nach 10 Jahren Witwendasein hat sie wieder einen Mann kennengelernt und da entsprang wieder die Liebe. Dann habe ich ihn mir geholt, und habe wie im Hohelied gesagt, „ich ließ ihn nicht mehr los, bis ich ihn in die Kammer derer brachte, die mich geboren hat“. 

Wie können wir dieses Bild als Symbol von unserer Liebe zu Christus verstehen? Wenn wir nicht so eine Beziehung als Liebhaber mit Christus haben, haben wir unser Christsein verfehlt. Wir haben eine Geschichte in der Beziehung mit Christus. Es ist ein Moment des Kennenlernens. Wir kennen Christus aus dem Evangelium. Wir lesen dabei nicht Geschichten oder Märchen, sondern von einer Person, Christus, wie er handelte, wie er sprach, was er dachte, wie er lebte. Wenn das so ist dann kommt auch hier der Funke der Liebe zu uns; “das ist mein Mann". Dann soll ich mich auf die Suche machen. Ich lerne aus dem Evangelium wie Er zu sein. Ehrlich und gerecht, sanft und verständnisvoll, mächtig in Wort und Tat, heilig. Und weil ich gelernt habe, zu sein wie Er, weiß ich im eigenen Fleisch, wer ist Er, den meine Seele liebt. Und das geschieht auch noch heute, nach 2 000 Jahre. Natürlich ist diese Liebe aus der Seele in den Geist gesprungen. Und wie wird dieser Funke der Liebe in uns entzündet? Von mir aus? Nein! Nicht von uns, sondern von Christus selbst. Er schenkt mir seine Liebe. Diese Liebe wächst in mir, wenn ich wie Er werde, in ihn hineinschaue und ich in Christus bin, als, eine neue Schöpfung. Diese neue Schöpfung ist es, und in diesem Sinne “eine Verlobte” Christi zu sein. Das bedeutet eine personale Begegnung, eine Einigung in Seele und Geist mit Christus. Wenn ich solche eine Einheit habe, dann kann ich sagen, ich habe den gefunden, den ich liebe. Und die Kammer, wohin ich ihn bringe, ist nichts anderes als mein Geist, der im Stillen und Schweigen betet, da wo ich allein mit ihm bin. Da bin ich im Tempel, im Grab. Und da weine ich, wenn ich Ihn nicht finde, wie Maria. Und in diesem Tempel finde ich Ihn, den ich liebe; wie am Grab. Und wie Maria würde ich ihn holen und in mein Tiefstes bringen. Da bin ich mit Ihm, den ich Liebe.

Diese ist eine persönliche Liebe, zu der uns Christus einlädt. In unseren Inneren können und sollen wir Christus anfassen und ihn nicht mehr loslassen. Diese persönliche Beziehung ist nicht unmöglich für uns Menschen. Das würde unser Leben in großem Masse bereichern. Ich demonstriere nicht für mehr Gerechtigkeit in der Welt, aber ich werbe für gerechte Menschen, die mit Gerechtigkeit leben, die mit Christus den Humanismus der Gerechtigkeit fordern. So demonstriere ich es dann auch, denn nur mit Ihm lerne ich gerecht zu sein wie Er. Dann sind wir das “Salz der Erde”, wie Christus sagt. 

Diese persönliche Beziehung durch die Liebe zu Christus ist für mich die Botschaft von Maria Magdalena. Diese Beziehung, die sie mit Christus hatte, sollen wir in uns einbauen und verfestigen, täglich. Nur so können wir den großen Sinn weitergeben und auch unserer Gemeinde Leben geben. Es geht nicht darum viele Dinge zu machen, sondern ein großer Liebhaber Gottes zu sein.

 

20210718_16_Sonntag im Jahreskreis_B

20210718_16_Sonntag im Jahreskreis_B

Eph 2,13-18. Mk 6,30-34

Wir haben die Europameisterschaft gesehen. Wir haben gesehen, wie

die, die gewonnen haben, gefeiert haben. Aber wir haben auch

gesehen,   wie   die,   die   verloren   haben,   geweint,   gejammert,

geschimpft haben. Für die einen war es der glücklichste Tag ihres

Lebens, für die anderen war es eine Tragödie, der unglücklichste Tag

ihres Lebens. Nicht nur Erwachsene, sondern auch ein Kind von nicht

mehr als drei Jahren haben vor der Kamera geweint, weil England

verloren hat. Eine Europa-Meisterschaft hat die Struktur eines

Krieges. Zwei kämpfen gegeneinander. Es gibt keine Tote, aber einige

Verletzte waren dabei. Wer gewinnt, nimmt den Pokal in

Empfang. Auf einer Seite wird der Pokal von der ganzen Nation auf

der Straße gefeiert. Auf der anderen Seite ziehen die Menschen auf

die Straßen, deprimiert, enttäuscht, beleidigt, voll Wut. 

Im Evangelium von heute sieht Christus viele Menschen, die da

waren, und viele andere, die nicht da waren, aber alle waren „wie

Schafe ohne Hirten“. Christus sah das Volk Gottes, das nach dem

Gesetz lebte, aber trotzdem ohne Hirte war. Sie waren durstig, aber

es war keiner da, der sie lehrte so wie Christus. Sie suchten etwas

mehr, das Christus ihnen gab. Deswegen liefen sie ihm nach. Christus

hatte eine Mannschaft mit zwölf Spielern aufgestellt. Er hatte einen

Club gegründet, damit die Schafe unbesorgt sein könnten. Aber die

Schafe gehören zu zwei Mannschaften. Die eine sind die Juden, die

andere die Heiden. Christus organisiert nicht eine Weltmeisterschaft

mit diesen zwei Mannschaften, um dem Sieger einen Pokal zu geben,

sondern er macht aus beiden eine Mannschaft, damit sie den Zugang

zum Vater erreichen. Darin besteht die Meisterschaft. Paulus sagt,

dass Christus „das Gesetz aufhob, um die zwei in sich zu einem neuen

Menschen zu machen“. Er versöhnte die beiden durch das Kreuz mit

Gott in einem einzigen Leib. „Er hat in seiner Person die Feindschaft

getötet“. Er machte Friede unter ihnen. Es ist, als ob die Engländer

 

 

und die Italiener mit derselben Freude den Pokal gefeiert hätten.

Christus versöhnt in Ihm alle Völker und alle Rassen.  Das ist nur

möglich, wenn wir nicht mehr für uns leben, sondern für Christus.

Also, so zu sagen, als sollten die Italiener sich nicht mehr als Italiener

fühlen, sondern als Engländer und die Engländer als Italiener.

Menschlich gesehen ist das unmöglich, aber nach Gottes Verständnis

ist das möglich. Das fordert aber eine geistige Reife.  Worin liegt aber

diese geistige Reife?

Christus möchte alle Schafe zum Vater bringen. Die Schafe aber

brauchen einen Rektor, eine Führung, einen Hirten, damit es ihnen

gelingt, zum Vater zu kommen. Der Rektor oder der Hirte soll helfen,

den Glauben, die Hoffnung und die Liebe aufrecht zu halten. Dies sind

Tugenden, die Christus uns in der Taufe gegeben hat, damit wir uns

ständig den Vater vor Augen halten. Im Tagesgebet wird gesagt:

„Mach uns stark im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, damit

wir immer wachsam sind“. In einer anderen Situation sagt er,

„wachet, seid wachsam, und betet, damit ihr nicht in Versuchung

fallet“. Diese drei Tugenden halten uns wachsam, denn wir richten

uns zu Gott aus durch sie; wir glauben, wir hoffen und wir lieben Gott. 

Es

sind Tugenden, die uns mit Gott verbinden. Aber wir müssen darauf achten,

dass diese Tugenden frei wirken können. Frei von Neid und Leidenschaften, frei

von sich selbst und jeder egoistischen Tendenz.  Frei von Gedanken, die uns

zerstreuen und an unnützen Dingen festhalten lassen; frei von jeder Sorge, die uns

den Frieden raubt. Die Tugenden können nicht in uns wirken, wenn wir nicht

frei von alldem an ihnen festhalten. Ich soll glauben mit all meinen Gedanken,

ich soll hoffen mit all meiner Kraft und ich soll lieben ganz frei von mir selbst.

Wenn es so ist, dann können die Tugenden in uns wirken. Also soll ich die

Tugenden freihalten, damit sie mit ihrer ganzen ekstatischen Kraft in mir

wirken und ich immer wachsam bleiben kann. Dieser Gott Vater sieht in uns

allen seine Kinder. Es gibt dann keine Italiener mehr noch Engländer, weder

Gewinner noch Verlierer. 

Wir können mit dem inneren Schweigen und mit der inneren Ruhe lernen, jene

Reifung zu erlangen, die notwendig ist, damit ich aus dem Glauben, der

Hoffnung und der Liebe immer wachsam bleibe.

20210711_15Jahreskreis_B

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Eph 1,3-14; Mk 6,7-13

Wir sprechen danach ein bestimmtes Glaubensbekenntnis. Wir glauben an etwas, das es geschah, aber es ist nicht einfach anzunehmen. Nur durch die Kraft des Glaubens, der in uns zu gegen ist, nehmen wir alles an. Aber Paulus stellt uns in seinem Brief eine Art von Glaubensbekenntnis vor - viel interessanter, finde ich. Aber ich nehme an, dass ihn ihnen dies bekannt ist. Wir waren Gottes Idee schon bevor wir empfangen wurden. In dieser Idee waren wir als Kinder Gottes „heilige und untadelige Menschen“ und als solche Kinder Gottes würden wir in Ewigkeit mit ihm leben. Als wir empfangen wurden, wurden wir diese Idee im Fleisch. Aber dann kam die verdammte Erbsünde, die schlimmer als eine Pandemie ist. Gott Vater, weil er uns liebte, sandte seinen Sohn. Er erlöst uns von dem Bösen und vergibt uns die Sünde. In Christus bekommen wir eine Weisheit und Einsicht, damit wir das erfahren, was wir nach Gottes Vorstellung sind. So können wir diese Idee Gottes erkennen und verwirklichen. Wir leben in dieser Zeit, aber er wird die Zeit vollendet und dann gehen wir über in die Ewigkeit. Das wäre eine Beschreibung des Laufes von der Geschichte der Menschen nach Gottes Sicht. 

Aber der Mensch will seine eigne Geschichte in der Zeit schreiben. Wir Menschen wissen, was Gott will. Jedoch dieser Wille Gottes will gemacht werden. Der Wille Gottes ist wie ein Rad. Wir sind der Wagen. Wir bewegen uns im Leben auf den Rädern. Wir sind aber nur dann auch die Räder  - und nicht das passive Ersatzrad - in dem Moment, in dem wir in Christus sind. 

Christus gibt uns, die an ihn glauben, zwei Dinge. Eines ist das Evangelium und das andere ist der Heilige Geist. Hier geht es nicht um ein passives Glaubensbekenntnis, sondern um aktives Tun. Auf diesen beiden Hilfen rechnet Christus, die Idee Gottes, die wir sind und Gott in jedem von uns, um Ihn verwirklichen zu können. Wir überlegen weiter. Die FIFA organisiert die Europameisterschaft: Viertelfinale, Semifinale und Finale sind schon programmiert. Aber man weist nicht, wer spielen wird. Die Mannschaften, die das Final erreichen werden, müssen das Viertel- und Semifinale gewonnen haben. Er nimmt die Stellung ein, die die FIFA programmiert hat. In dem Evangelium finden wir eine Programmierung.  Wenn wir ein Spiel gewinnen, so zu sagen, haben wir nach dem Evangelium gehandelt, treten wir zum nächsten Spiel an. Um am Ball zu bleiben, sollen wir nach dem Evangelium handeln und nicht nach unserem eigenen Interesse. Wer am Ball bleiben möchten soll auf den Hl. Geist hören und seiner Inspiration folgen. Wenn wir diese beide Punkte nicht erfüllen, sollten wir nach Hause fahren. 

Also wir finden bei Paulus die Etappe unseres Lebens im Evangelium und im Hl. Geist. Es ist ein Glück, dass wir in Christus die Erlösung von unserer Bösartigkeit, die Verzeihung unserer Sünde haben, aber wir müssen das Evangelium, das er uns gelehrt hat, als Leitlinie unseres Leben annehmen und den Hl. Geist, der in uns Wohnung hat, folgen und uns durch ihn heiligen lassen. Denn die Idee Gottes war, dass wir heilig und untadelig, rein, sind. Aber durch die Sünde wurde dieses Projekt kaputt gemacht. Wir sollten daher heute nun erst recht am Ball bleiben. Das erfordert von uns, das Evangelium aufmerksam zuhören und danach zu handeln. In das Innere zu gehen und im Schweigen bleiben, damit wir den Hl. Geist hören können. 

In Tagesgebet wurde gesagt, „gibt uns Kraft zu meiden, was Christ zu sein widerspricht und zu machen, was unserem Glauben entspricht“. Diese sind die Konflikte in unserem Leben. Durch meine Leidenschaften, Neid, Laster, Gier bin ich geführt etwas zu tun, das dem Evangelium widerspricht, bzw. nicht mit dem Evangelium entspricht. In diesem Moment soll ich auf das Evangelium zugreifen und hören, was es mir sagt und lehrt. Die Liebe, die Armut, die Großzügigkeit, die Geduld und Kraft sollen auftreten. Hier bin ich am Ball und gewinne, oder ich gehe zurück nach Hause. Diese persönlichen innere Konflikte kommen immer zu uns. Der Hl. Geist öffnet mir die Augen und die Ohren, um zu hören und zu sehen, was Christus mir sagt. Aus mir kommt die Kraft, das “Ja” zu Christus zu sagen, denn die Gottes Gnade genüg. Und wenn wir gewinnen, werden wir Gottes „Eigentum“. Das ist unsere Pokal. Wir werden die Verwirklichung Gottes Idee. Deswegen bleiben wir am Ball!

20210627_13 Sonntag im Jahreskreis_B

20210627_13 Sonntag im Jahreskreis_B

Wir werden ständig aufgefordert, etwas Geld zu geben. Überall, drinnen in der Kirche und draußen. Von der Kirche und vom Staat werden wir zur Kasse gebeten. Die Katastrophen und Nöte der Welt erfordern von uns den Einsatz von Geld. Einige politische Parteien fordern, dass die Reichen mehr Steuer bezahlen sollen. Der Staat hat ein Ministerium, um der dritten Welt zu helfen. Und bei alldem geht es um ein Prinzip, das Paulus in den Begriff „Ausgleich“ gefasst hat, der schon in der Bibel mit dem Inhalt beschrieben wird, „wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel, und wer wenig, hatte nicht zu wenig“. Unter diesem Axiom organisiert Paulus eine Hilfsaktion für die Gemeinde von Jerusalem. Eine Aktion unter Christen. Die Voraussetzung dafür ist nicht diejenige, die die Politik formuliert, weil sie reich an Geld sind, sondern Paulus formuliert dies, weil sie reich an Glaube und Erkenntnis, reich an Liebe und Großzügigkeit sind. Die Kirche fordert Geld unter denselben Voraussetzungen wie Paulus. Wir können uns untereinander helfen. Brandenburg stellt Geld zur Verfügung für das Institut „Demos“ für Gemeinwesenberatung. Das Land unterstützt dieses Institut mit Steuergeld, damit es gegen Gewalt, Rechtsextremismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und für die Demokratie kämpfe. Das kostet Geld und das müssen wir bezahlen. 

Die Katholische Kirche ist eine Institution, die auch Geld braucht, damit sie als Institution bestimmte Aufgaben unter den Menschen und mit den Menschen erfüllen kann. Hier steht meine Reflexion, meine Frage. Die Aufgabe der Kirche ist es, Christus in den Gläubigen und in der Gesellschaft wirken lassen. Die Kirche als Institution kann viele Initiativen unternehmen. Aber all dies kann nur zu einem helfen, die Wirkung Christi und seines Evangeliums wirken lassen.  Die Kirche ist ein Institut, das dafür sorgt. Aber die wahren Protagonisten dabei sind der Getaufte und Christus. Die Kirche dient dem nur. Das genannte Institut Demos dient einerseits zur Förderung einer demokratischen Kultur und dafür kämpft es gegen den Extremismus. Die Kirche dient zu Förderung der christlichen Kultur und fordert dafür, dass alle Christen in sich das Evangelium verkörpern.  Die Kirche hilft, aber die Verkörperung muss jeder Christ in seiner Beziehung zu Christus vollbringen.  Die Kirche vertraut den Christen und weckt in ihnen die Hoffnung, dass sie lebendige Christen werden. Die Kirche hilft und dient dabei. Aber der wahre Kampf liegt in jedem von uns. Wenn daher zum Beispiel ein Christ, Priester oder nicht, ein Skandal für einen anderen ist, dann liegt in erster Linie in ihm ganz persönlich die Verantwortung. Wenn einer ein Heiliger ist, liegt es an ihm selbst und an Christus. Der Ursprung dafür liegt in der Taufe. Darin wurden wir zu Kindern des Lichtes gemacht, weil wir die heiligmachende Gnade erhalten haben: das ist Christus in uns. Diese Gnade wirkt in uns persönlich durch die Liebe zu Christus. Durch diese Liebe sterben wir für uns selbst und leben für ihn. Es ist die größte Ehre eines Christen, Christus zu gefallen. Das ist eine personale Antwort auf die Gnade, die wir in der Taufe bekommen haben. Das soll jeder geben. Die Kirche hilft uns und fordert von uns, dass wir nicht allein sind, sondern in Gemeinschaft in demselben Streben. Und das ist eine Hilfe, aber der entscheidende Akt liegt in uns ganz persönlich. Das macht uns reich im Geist. Die Taufe gibt uns die heiligmachende Gnade, Christus nimmt Platz in uns, damit wir uns heiligen und werden wie Er; eins mit Ihm, ich in Ihm und Er in mir. Das ist nur möglich, wenn ich diese Gnade nutze. Die Kirche hilft dabei. Aber alles geht nur über Christus und uns, ganz persönlich.  Dazu sollen wir uns entscheiden: für Christus oder gegen Christus.  Wer nicht so handelt, lässt zu, dass die Finsternis des Irrtums über ihn Macht gewinnt. Wer unter dieser Macht steht, ist schon aus der Kirche ausgetreten, der hat sich schon von Christus getrennt. 

Dagegen, wer in Christus und für Christus lebt, bekommt eine neue Vision von der Kirche und der Gesellschaft, die Vision einer christlichen Kultur, die größer ist als die Vision anderer Kulturen. Es ist die Kultur der Liebe und der Seligpreisungen, eine Kultur der Wahrheit. Nicht die der einer Demokratie, in der alles gilt.

Daher ergeht an uns die Einladung, die Gnade der Taufe in uns wirksam zu machen. Wenn wir unter dieser Gnade leben, leben wir nicht mehr für uns, sondern für Christus. Schweigen zu uns selbst, um das innere Auge auf Christus zu richten und Ihn immer vor Augen zu haben. Dieser Kontakt ist in uns persönlich möglich.

20210618_12SonntagimJahreskreis

20210618_12SonntagimJahreskreis. 

2 Kor5,14-17/ Mk 4, 35-41

Ständig und überall hören wir, dass die Kirche in der Krise steckt. Die Skandale bringen die Leute zu Haufen zum Austritt. Die Hierarchie verschließt sich jeder Reform. Die Unfehlbarkeit des Papstes, die in der Zeit des Modernismus entstanden ist, wird noch heute angenommen, gegen den heutigen Zeitgeist den vor allem die Deutschen propagieren. Gruppen schließen sich zusammen gegen den Zölibat der Priester unter dem Motto „die Priester haben auch seine Sexualität“ und damit meinen sie, sie brauchen Sex. Das und viel mehr macht den Wirbel in der Kirche von heute. Alles ist ein Chaos. Aber das ist nicht neu. Es war immer so, mit schlimmeren Folge sogar. Und deshalb ist die Kirche nicht in Krise.

In dieser Situation brauchen wir eine revolutionäre Aufklärung des NT so wie es sozial und politisch in der Französischen Revolution war. Wir müssen das Caos mit dem Evangelium erklären und es zur Ordnung bringen. Paulus legt uns ein Prinzip dar, das notwendig zu erklären ist.

Paulus behauptet, Christus ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. Das ist so formell, dass man sich dem nicht so ohne Weiteres anschließen kann. Das ist nicht logisch. Aber Paulus hat eine Logik. Die Liebe verbindet diese beide Behauptungen. Die Liebe zu Christus ist uns von Christus gegeben. Und diese Liebe setzt mich in den Stand, wie Christus zu sein. Also wie er zu sterben. Dieser Tod zerstört nicht das Leben, sondern gibt dem Leben eine andere Dimension. Der Tod ist der Tod in sich selbst. Der Tod ist Schweigen in sich selbst, um nur Christus zu hören. Das Leben ist, für Christus zu leben. Dieses Leben für Christus ist Werk der Gnade, der heiligmachenden Gnade, es ist Christus in uns. Wer aus dieser Gnade lebt, lebt für Christus. Wer nicht aus der Gnade lebt, lebt nicht für Christus und dann auch nicht für seine Kirche. Kann man das unterscheiden? Ja. Der Tod in sich selbst ist ein Reinigungsprozess. Das ist genauer gesagt: Heiligkeit. Wer nicht die Heiligkeit sucht, wer nicht nach Heiligkeit strebt, trennt sich von der Kirche und verliert damit jede Kraft, die wir brauchen, um die Kirche zu reformieren. Die wahre Reform der Kirche ist die von allen Christen gelebte Heiligkeit. Das hat seinen Grund im Evangelium. Jede Reform, die nicht auf der Heiligkeit begründet ist, gründet nicht auf dem Evangelium.  Das Motto ist: Tot für sich, leben für das Evangelium.

Die Anhänglichkeit an die eigenen Gedanken, die eigenen Wünschen, das eigene Wohlfühlen bedeutet, dass der Mensch nicht für sich selbst gestorben ist. Das macht ihn unfähig, die Gedanken Christi, die Wünsche Christi und die Intentionen Christi sich zu eigen zu machen. 

Wer für Christus lebt, lebt in Christus. Diese Gegenwart Christi in uns, diese Einwohnung Christi in uns heiligt uns und treibt uns an, in der Heiligkeit zu wachsen. Mit dieser Heiligkeit machen wir alles neu, sind wir eine neue Schöpfung. Dann können wir die Kirche reformieren. Wer in Christus lebt, heiligt sich, wer sich nicht heiligt, trennt sich von Christus. Er macht sich damit unfähig, irgendeine Reform voranzutreiben, noch weniger im Namen Christi. Mit ihm zu leben bedeutet, neue Perspektiven zu gewinnen, aus einem neuen Blickwinkel alles zu betrachten, und genauer: es aus dem Blickwinkel von Christus zu sehen. Das unsere ist das Alte. Christus inspiriert uns für das Neue. 

In Christus und für Christus zu leben, bedeutet ständig ihn vor Augen zu haben, ständig mit den Augen des Geistes zu ihm zu blicken. Das können wir lernen. Dazu sind wir gerufen: uns zu heiligen und ständig zu beten, damit wir nicht in Versuchung der Unreinheit, des Unheils fallen, sondern immer bei ihm bleiben.

Wer so ständig mit Christus lebt, ist durch die heiligende Gnade beschenkt. Er kann dann mit der Liebe Gottes in sich den Menschen wie einen Bruder sehen, wie einen Bruder betrachten. Die Keuschheit begleitet sein Leben und er kann ohne Sex leben. Wer nicht in Christus lebt, dem fehlt die Gnade der Keuschheit, und daraus erwachsen die Skandale und die falschen Reformen, wenn sie das Zölibat abschaffen möchten, weil doch der Priester eine Sexualität habe, wie es zum Beispiel in den Tagesthemen unwidersprochen proklamiert wurde. 

Unsere Berufung ist es, mit Christus in uns zu leben. Unser Blickwinkel ist dann der von Christus. Und ohne Ihn haben wir keine moralische Autorität, unsere Meinungen als seine Meinung in der Kirche zu verkünden, auch wenn viele es so machen.

20210613_11Jahreskreis_BText 13Juni2021

20210613_11Jahreskreis_B

Ressentiment,   Groll   und   Zorn   sind   Reaktionen,   die   als

Selbstvergiftung zu betrachten sind. Sie führen den Menschen in die

psychische Erkrankung. Solche Ressentiments führen heute zu dem

Phänomen,   dass   eine   große   Anzahl   von   Menschen   unter   einer

Unzufriedenheit   leidet,   in   einer   Gesellschaft,   die   von   Wohlstand

gekennzeichnet ist. Heutzutage leiden viele Menschen darunter. Der

Mensch   leidet   unter   einer   Unzufriedenheit.   Es   ist   geradezu   eine

psychologische Pandemie. Der Mensch leidet unter der Erkrankung,

für Manche führt sie zum Tod, zur Isolierung. Eine Lüge, die auf

Nietzsche zurückgeht, ist die Behauptung, dass das Christentum viele

Ressentiments besitze. In Christus aber gibt es keine Ressentiments.

Und die Botschaft, die er verkündet, ist frei davon. Dass Christen

darunter leiden, liegt an ihrer menschlichen Natur, nicht aber an

seiner göttlichen Natur, die aus der Gnade erwachsen ist. Nietzsche

war krank aus einem Ressentiment gegenüber seinem Vater, nicht

aufgrund seiner christlichen Natur. Was ist die Christliche Natur? Das

Gottes Reich in uns. Es ist das, was Christus mit seinem Gleichnis

erklärt. Es ist ein Baum, der in uns als Boden wächst. Was in uns

wächst, ist alles aus Gott. Wir leben in Deutschland. Es ist ein Raum,

wo der Staat uns eine soziale Sicherheit und Frieden garantiert, einen

Wohlstand generiert. Wir sind stolz darauf, Deutsche zu sein und in

Deutschland zu leben. Gottes Reich ist noch viel besser als dieser

Staat oder irgendeine demokratische Republik. Gott Vater sorgt für

uns alle. Er macht sich gegenwärtig in unserem Leben. Der Baum

wächst in uns und ist Teil von uns. Gott wohnt in uns und wirkt in uns

mit uns. Diese Beziehung ist gesund und die Wirkung macht uns

gesund. Dort darf es keine Ressentiments geben, weder Groll noch

Zorn, sondern einzig den Frieden. Christus am Kreuz zeigt keinen

Groll,   sondern   Verzeihung.   Wer   unter   den   Ressentiments   leidet,

weist den Anderen alle Schuld zu, reagiert böse gegen den Anderen.

In Christus kommt das Gegenteil zum Vorschein: „Herr vergib ihnen,

denn sie wissen nicht, was sie tun.“ 

 

 

Dieses   Reich   wächst   im   Geist   des   Menschen   und   versenkt   seine

Wurzeln   in   die   Seele.   Daher   ist   sie   gesund,   frei   von   jedem

krankhaften Virus, sei es Groll oder Ressentiment, sei es Hass oder

Rache, sei es Neid oder Ablehnung. Gott in uns ist Reinheit und

Heiligkeit, ist Liebe und Großzügigkeit. Auf der einen Seite haben wir

eine zerstörte Psyche, auf der anderen einen gesunden Geist. 

Paulus spricht zu uns aus der Erfahrung dieses Gottes-Reiches, besser

gesagt: er spricht schon vom Gottes-Reich. Paulus fühlt sich wie im

Ausland, als Flüchtling, „in der Fremde“, sagt er ganz konkret, weil

sein   Zuhause   „beim   Herrn   zu   sein“   ist.   Das   ist   die   reale

Wahrnehmung. Das ist das Reich Gottes, das in ihm gewachsen ist, so

wie Christus ist. Paulus ist dort hingewandert. Bei ihm gibt es kein

Ressentiment, wie die falsche Aussage über die Kirche. Nein. Bei ihm

ist ein gutes Gefühl, das nichts mit Groll zu tun hat: „ich suche meine

Ehre darin, ihm, Christus, zu gefallen“. 

Das Ressentiment, der Groll, der Zorn haben ihren Ursprung in der

Anhänglichkeit an sich selbst. Es fehlt dieser Person die Freiheit von

sich selbst, daher vergiftet sie sich selbst mit der Liebe zu sich selbst.

Paulus stellt vor uns ein perfektes Modell von dem, der ganz und gar

zu Christus gehört, so frei von sich selbst, dass er weit weg von sich

selbst sein möchte. Das kann nicht der, der unter Ressentiments und

Groll leidet. In dem einen ist Freude in dem anderen eine zerstörte

Seele. Die Freude und die Ehre zu gefallen sind Früchte des Reiches

Gottes. Wenn ich möchte, dass dieses Reich Gottes in mir wächst,

muss ich lernen, auf mich selbst zu verzichten. Durch den Verzicht auf

mich selbst in allen Gefühlen, Tendenzen und Neigungen, die mich

vergiften. Das Resultat ist eine Freiheit. Diese brauche ich, damit ich

in Gottes Hand übergehen kann. Die Psychologie, der Mensch selbst,

kann sich selbst nicht von sich befreien, sondern die Gnade Gottes

und die Einwohnung Gottes in uns, die uns heiligt, können uns diese

Freiheit schenken und die Liebe zu ihr. Diese Liebe erweckt in uns die

Tugend der Ehre, womit wir suchen, Christus, Gott zu gefallen. 

Fronleichnam 3. Juni 2021

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Hebr 9,11-15Mk 14,12-16.22-26

Es gibt viele Leute, die Lotto spielen, mit der Hoffnung, mit wenig Einsatz viel Geld zu gewinnen, sogar mit einem Euro ein Million Euros. Es ist eine Sache von Glück. Aber das kommt selten. Ein Bruder von mir hatte sein Leben lang jedes Jahr die große spanische Lotterie gespielt. Nur einmal hatte er mehrere Tausend Euros gewonnen. Er blieb zufrieden; so ist das Leben. 

Aber die Sache mit der Eucharistie läuft ganz anders. Die Eucharistie ist kein Lotto und kein Spiel. Doch wir gewinnen immer. Und außerdem ist Sie keine Sache von Glück. In der Messe, als „Gedächtnis des Leidens und der Auferstehung“ wird uns die „Erlösung zugeteilt“. Immer!  Vor vielen Jahren wurden Menschen als Sklaven unterdrückt. Heute fliehen viele Menschen vor Krieg, Gewalt, Umweltkatastrophen und Armut, auf der Suche nach einer Lösung, in andere Länder. Aber alle Menschen brauchen eigentlich, wirklich, eine Befreiung von dieser Welt.  Christus hat durch seinen Tod und Auferstehung eine neue Welt geschaffen ohne Sklave und ohne Krieg. Der, der an solchem Gedächtnis teilnimmt, wird von dieser alten Welt erlöst und zur neuen Welt geführt. Das Gedächtnis ist das Nehmen und Essen von dem Brot und von dem Leib. Jeder, der das macht ist erlöst. Er wird schrittweise von dieser Welt, von sich selbst befreit. Christus befreit uns von unserer Begierde, von unserer Bosheit, von der Neigung zur Welt, befreit uns von uns selbst, von unserem Egoismus, von unserem großen Ego. Dies sind einige von den Früchten, die wachsen, aus dem Brot – seinem göttlichen Brot – das wir essen. Nicht nur das, sondern er  gibt uns auch einen „vollen Genuss“ der Gottheit Christi. Wir bekommen ein Vorgeschmack von dieser neuen Welt. Das alles ist bereits Erlösung. Wenn wir das haben, der Vorgeschmack, wird unser Geist schon von Freude erfüllt. Wir träumen von der neuen Welt. So gesehen, ist die Eucharistie tatsächlich viel mehr als Lotto, wo ich eine Nummer kaufe und wahrscheinlich werde ich nichts gewinnen – selbst wenn. Aber bei der Eucharistie werde ich sicher gewinnen. Und es geht nicht, um Geld zu gewinnen, sondern die neue Welt, die Welt der Zukunft, sicher zu gewinnen. Paulus nennt es „das verheißene ewige Erbe“. Die Eucharistie reinigt uns, damit wir nicht in toten Werken verharren. 

Christus gibt uns mit der Eucharistie die Gnade, die wir brauchen, um nach seinem Evangelium leben zu können. Er erwirkt in uns eine Reinigung, er heiligt uns, in dem er uns von unseren Begierden, von unserer Bosheit, von den Neigungen zur Welt, von unserem Egoismus, von unserem großen Ego befreit und seine Liebe in uns entzündet. 

Christus hat gesagt: Wer mich liebt und mein Wort erfüllt, dann werde ich und mein Vater zu ihm kommen und in ihm einwohnen. Dabei soll ein Prozess in uns stattfindet. Hier wirkt schon die Eucharistie. Christus starb, um uns zu retten. Mit der Gnade, die die Eucharistie uns gibt, verwirklicht er in uns, was er mit seinem Tod gewonnen hat. 

Nicht an der Kommunion teilzunehmen, bedeutet, nicht an dieser Erlösung teilzunehmen. Man sagt, die Messe ist langweilig, man versteht nichts, es ist nur für alte Leute. Ich würde antworten, wenn deine Erlösung keine Rolle in deinem Leben spielt, wenn an Christus nichts interessant ist, wenn Christus keine Rolle in deinem Leben spielt, dann ist die Eucharistie langweilig- dennoch nicht vergeblich. Christus und sein Evangelium sind die Voraussetzung, um an der Eucharistie teilzunehmen. Erst wenn ich den Geschmack des Göttlichen probiert habe, dann kann ich auch einen Sinn in der Messe finden, weil sie auch ein Gebet ist. Es ist mehr als eine Feier, es ist eine persönliche Umwandlung in meinem Inneren; es ist mehr als ein einfaches Gedächtnis, wie zB mein Geburtstag. Es ist eine innere Begegnung mit Christus, die Betrachtung von ihm. Ohne diese innere Voraussetzung nutzt jedes Lied, jede gute Rede so gut wie nichts. Lassen wir uns also von Christus innerlich berühren. Wenn wir innerlich im Gebet sind, dann wird uns Christus berühren und mit seiner Gnade erfüllen.  Christus ist da in seinem Brot und ruft uns alle. Er möchte uns heiligen. Er möchte uns erlösen und rein vor unseren Vater im Himmel führen.

Pfingstmontag 24. Mai 2021

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Für jeden gibt es im Laufe des Jahres viele Anlässe zu feiern, zum Beispiel Geburtstage oder Hochzeitstage. Im Leben gibt es vieles, das erinnerungswürdig ist. Möglicherweise aber denkt keiner an den Tag, als der Heilige Geist seinen Schatten auf euch warf. Und vielleicht sagt ihr, dass ihr gefirmt seid, aber nie von einem Geist berührt, wie Maria bei dem Besuch des Engels Gabriel. Vielleich sagt ihr: Ich brauche keine Hilfe, ich genüge mir selbst. Aber wirklich, der Geist hat uns berührt und ruht auch heute noch auf uns. Das feiern wir. Wir feiern den Geist, der uns begleitet. Es ist wie eine Geburt zu Gott. Mit der Taufe sind wir zur Gnade geboren. Mit der Kommunion erlöst uns Christus jedes Mal, wenn wir kommunizieren. Wir wachsen in Gnade und sie dringt in alle Ecken unserer Seele, damit sie reiche Früchte bringt. Es ist unser tägliches spirituelle Essen. Und der Heilige Geist bedeckt uns und bringt uns zur Herrlichkeit Gottes. Er offenbart uns die Welt Gottes und gibt uns die Weisheit, die uns erkennen lässt, was uns der Vater geben wird. Paulus macht dazu eine wichtige Aussage: Der Heilige Geist ist der erste Anteil des Erbes, das wir erhalten sollen. Also, der Himmel ist schon in uns und mit uns. Er begleitet uns. Das ist, was ich sagen wollte mit den Worten: Er wirft seinen Schatten auf uns. Wir sind uns eines Himmels bewusst und eines Gottes, der in uns ist. Wir können von Gott sprechen, wir können zu Gott beten, wir können in unserem Inneren schweigen und Gott hören, weil der Hl. Geist in uns wirksam ist. Wir haben Gewissheit, dass Gott da ist, weil Er uns diese Gewissheit gibt. Was feiern wir an Pfingsten? Dass wir zu einer Welt gehören, die uns vom Heiligen Geist gegeben ist. Es gibt darin keine Wolke, auch keine Sonne, weder Winter noch Sommer. Es ist ein erster Anteil, der uns träumen lässt. Die Freude, die Liebe, der Frieden, die Sanftmut und der Sinn für Gerechtigkeit ist uns vom Hl. Geist gegeben. Das ist ein Teil von uns, in dem es weder Tag noch Nacht gibt, sondern eine Weisheit und eine Gewissheit, die nicht aufhören weder in Krankheit noch in Zeit der Pandemie. Der Hl. Geist ist die Vollendung des spirituellen Lebens und der Liebe, des Bewusstseins und der Hoffnung. Dass wir das alles haben, ist es, was wir feiern. Wir feiern das Aufwachen zu einem neuen Leben. 

Ist das möglich in Zeiten von Krisen und Skandale, in Zeiten von Ungewissheit und Konfusion in der Kirche, unter uns Christen? Auch in dieser Situation wirkt der Geist, aber nicht in allen, sondern in jenen, die sich von ihm leiten lassen. Und damit sich einer von ihm leiten lassen kann, soll er in Schweigen und frei von sich selbst in das Verborgene seiner selbst hineingehen. Das, was wir inneres Gebet nennen, nennt Christus das Verborgene. Da klärt der Geist jede Konfusion, verstärkt in Zeiten der Krise; er gibt Weisheit und Erkenntnis in Zeiten der Ungewissheit. Der Geist wird Quelle des Wissens und nicht die Vernunft des Menschen. Diese Begegnung mit dem Hl. Geist findet ihren Ort im Schweigen des Gebetes. Wer mit dem Schweige zu leben gelernt hat, der kennt die Gegenwart des Geistes. Er weiß um den Schatten, der ihn bedeckt und schützt vor der Welt des Menschen mit ihren Nächten und Tagen, mit ihren Überschwemmungen und ihrer Trockenheit. Wer lernt, sich von dieser Welt zu trennen, wer sich nicht von ihr zerstreuen lässt, erreicht die Erkenntnis der Hoffnung, dass er an der Herrlichkeit Christi teilnehmen wird. Und er lässt sich auch heiligen, damit er an dem Reichtum seines Erbes teilnehmen kann.

Der Heilige Geist möchte aus uns Kinder des Lichtes machen, die vom Reichtum Gottes kosten.

 

Pfingstsonntag 23. Mai 2021

 

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Gal, 516-25; Joh 15, 26-27;16,12-15

Der Doñana Park, parque de Doñana, ist der größte Vogelpark Europas. Es liegt am Mündungs-Delta des Guadalquivir.  In Winter machen die Vögel aus ganz Europa dort Urlaub. Jetzt investieren die Bauer viel Geld in die Pflanzung von vielen Sorten von Beeren, um diese in Europa zu verkaufen. Es gibt eine große Nachfrage und sie verdienen gut. Aber die Bewässerung erfolgt mit Grundwasser und damit wird das Delta ausgetrocknet. Das Vogelparadies ist in seiner Existenz bedroht. 

Gott schafft den Geist und macht sich in ihm gegenwärtig. So prägt er ihn mit seiner Heiligkeit. Der Geist wird dann Gott ähnlich. Der Mensch sollte sich also vom Geist leiten lassen. Der Mensch entstammt aus Gott, um mit Gott in der Ewigkeit zu leben. Das ist das Paradies, das der Mensch sucht. Viele Menschen geben sich zufrieden mit einem kleinen Garten am Stadtrand. 

Die Früchte aus einem solchen Garten des Geistes des Menschen ist ein glückliches Leben. Alles ist wunderschön unter den Menschen, die da wohnen. Der Umgang unter ihnen ist gekennzeichnet von Liebe, Frieden und Freude. Die Heiligkeit des Geistes entwickelt eine Personalität in uns, die von bestimmten Merkmalen geprägt ist. Diese Merkmale zeugen von einem schönen und glücklichen Leben. 

Wir haben während mehrerer Monate unter Einschränkungen gelitten. Und diese Einschränkungen haben in uns den Wunsch erweckt, einen langen Urlaub am Meer zu machen. Alle haben ihn schon geplant, denn dort sehen wir das Schöne. Aber das gilt nicht für den Geist. In der Heiligkeit des Geistes finden wir die Liebe, die Ruhe, den Frieden, die Freundlichkeit, die Langmut und Sanftmut und die Selbstbeherrschung. Das ist ein wahrer Urlaub für den Geist. Wenn wir das haben, brauchen wir kein Gesetz, das durch die Vernunft geleitet wird, sondern wir haben den Geist, die Heiligkeit, die uns leitet. Das ist unser Paradies, hier auf Erden und dort im Himmel. 

Dafür aber müssen wir verzichten, so wie die Bauern auf die Investition für neue Agrarfelder, auf die Investition für das Fleisch. Paulus nennt das die Kreuzigung der Leidenschaften und Begierden mit all ihren Folgen. Jetzt geht es nicht um Äpfel, sondern um Beeren und andere geschmackvollen Früchte. Wir sollen in unserem Inneren die Dimensionen des Fleisches und des Geistes erkennen und bewerten. Der Grund dafür ist, zu Christus zu gehören. Es ist ein Widerspruch, zu Christus zu gehören und gleichzeitig dem Fleisch mit allen Leidenschaften und Begierden zu gehören. Christus zu gehören hat die Wurzel im Geist, dem Fleisch zu gehören hat seine Wurzeln in der Seele und im Leib. In der Seele und im Leib wachsen Erdbeeren. Sie schmecken gut, aber sie vergehen sofort. Wir müssen sie immer wieder nachkaufen und essen. In Deutschland schmecken sie uns gut, aber in den Parks von Doñana lassen wir die Flamingos sterben. 

Wir sind berufen, Menschen des Geistes zu sein. Die Heiligkeit mit allen diesen Merkmalen charakterisiert unsere Personalität. So wichtig ist der Geist, dass Christus uns den Heiligen Geist zur Verfügung stellt. Dieser ist eine göttliche Person, die zu uns spricht, aber nicht aus sich selbst, sondern aus dem, was er von Vater und Sohn hört. Dieser Geist heiligt uns und lehrt uns, die Wunder des Paradises zu entdecken. Christus sagt dazu: „Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden“. 

Das aber erfordert von uns das Hören im Geist. Wenn ich im Fleisch bin, kann ich ihn nicht hören. In dem inneren Schweigen lässt sich der Geist hören, das ist das innere Gebet. Den Frieden des Geistes zu leben, ihn ständig im Geist zu haben, das ist das ständige Gebet. Das Evangelium von Christus, das Wort des Apostels Paulus, Christus zu gehören, fordern von uns dieses innere ständige Gebet, das wir lernen können und sollen, wenn wir nicht allein Pfingsten feiern, sondern wenn wir in einem ständigen Pfingsten leben möchten. Lernen wir also innerlich in der Ruhe der Seele zu schweigen, um die Sprache des Heilen Geistes in uns hören zu können. Wer innerlich schweigt, kann ihn hören. Die Begierde zerstreut und macht aus uns Gehörlose.

Christi Himmelfahrt - 13. Mai 2021

In wenigen Monate werden wir Wahlen haben. Wir haben die Macht, einen Kandidaten zum Bundeskanzler zu wählen. Wir geben ihm eine Macht, damit er dieses oder jenes für uns entscheiden kann. Wir erwarten Vieles von ihm in allen Bereichen des Lebens. Er soll für das Beste für den Staat sorgen. Wir beobachten sehr sensibel und wir erlauben keine Fehler.  Uns allen geht es gut, aber trotzdem möchten wir es noch besser haben. Mit Christus passiert etwas Ähnliches. Nach einer langen Kampagne auf der Erde fährt er zum Himmel auf. Von da an leitet er das Unternehmen des Gottesreiches, das „Evangelium zu verkündigen und zu verwalten“; dazu aber er hat die Apostel berufen, erwählt und ihnen den Auftrag erteilt, die Unternehmung weiter zu treiben. So haben wir gehört, dass die Apostel überall auszogen und der Herr bei ihnen war. Er war im Himmel, aber gleichzeitig bei den Aposteln. Die Apostel waren in Christus und Christus war in den Aposteln, in jedem einzelnen. Da oben hat Christus die ganze Macht, aber Er überträgt uns seine Macht, damit wir die Unternehmung mit Erfolg und Gewinn vorantreiben. Er ist in uns, wirkt und zeigt sich uns, wir sind in ihm, wir nehmen von ihm und handeln damit. Aber wenn wir nicht verkündigen oder wenn wir dieses oder jenes falsch machen, kann er nichts machen. Christus ist von uns abhängig. Er wirkt in uns, aber wir verkündigen, was wir von ihm haben. Christus hat die Macht, aber wir entscheiden, dies oder jenes zu machen, so oder so zu handeln, wie in der Demokratie; trotzdem erwartet er viel von uns. Er hat uns dafür gewählt. Also ich handle hier, mit einer Macht, die im Himmel ist und vom Himmel kommt. Christus hat mich dafür gerettet, so zu sagen, er hat mich zu ihm erhoben, die Tür des Himmels hat er mit seiner Natur geprägt. Ich bin zu einer anderen Schöpfung geworden. Darin liegt die Macht für die Verkündigung. Das ist die Rettung, der Himmel ist zu mir oder ich bin zum Himmel erhoben. Für jenen, der nicht glaubt und sich nicht taufen lässt, ist dieser Himmel verschlossen. Er ist also als verdammt zu verstehen, nichts Anderes. Er bekommt nichts von seiner Natur.

Was wir verkündigen sollen, sollte klar für uns sein. Wir verkündigen Christus? Wer er ist? Was er gemacht hat? Wo er ist? Was er noch machen wird? Ja und nein. Mit der Rettung sind wir mit Christus bei ihm. Wir haben aber noch nicht alles, aber ein bisschen. Das zu sagen, ist keine dumme Sache. Paulus sagt uns: “seid demütig, friedfertig, geduldig, liebt euch einander“, im Frieden bewahren wir eine „Einheit im Geist“. Das bedeutet schon, im Himmel zu leben. Wenn wir das haben, dann haben wir den Himmel in uns. Diesen Himmel sollen wir predigen.

Diese Unternehmung nennt Paulus „Aufbau des Leibes Christi“. Das ist ein großes Wort. Wir sind Leib Christi. Das schon, aber wir sind noch im Aufbau, noch nicht fertig. Es ist sehr naiv zu sagen, wir sind der Leib Christi, aber wir bauen nicht weiter. Dieser Himmel soll in uns wachsen. Dieses Wachstum ist eigentlich das Wachstum unserer Heiligkeit, die Kraft Gottes in uns, die Gnade Gottes in uns. Nicht einfach meine Heiligkeit, sondern von uns allen, als Gemeinschaft. Das ist der Leib Christi, alle sind eins kraft der Gnade Gottes in uns. Das ist möglich, weil wir schon am Himmel teilnehmen. Er ist schon gekommen, er ist schon „in euch“, hatte Christus schon am Anfang gesagt.

Christus ist schon da im Himmel, aber wir sind auch schon da mit ihm im Himmel. Deswegen verstehen wir die Erde von Christus aus. Es geht nicht allein darum, Christus zu erkennen, sondern auch die Welt von Christus aus zu erkennen, zu schauen. Wenn wir sie schauen, dann wissen wir, wem wir das Evangelium verkündigen sollen und warum. Sein Evangelium ist die Rettung der Menschen.

Das alles ist unverständlich, wenn wir nicht innerlich im Geist beten, in „Tat und Wahrheit“ und „nicht mit Wort und Zunge“. Wer innerlich betet, weiß etwas vom Himmel. Gehen Sie zur Schule des Gebetes und lernen sie mit Christus zu sein. Gehen Sie zum Evangelium und lernen von Christus, damit Sie „in Tat und Wahrheit“ zu leben lernen. Lernen wir aus der Quelle des Gebetes und des Evangeliums. Christus wird dann bei uns sein.

6. Ostersonntag [B] - 09. Mai 2021

5. Ostersonntag [B] - 02.05.2021

Der April ist zu Ende. Es war ein kalter April, aber wir konnten die Bäume bewundern, wie sie plötzlich begannen zu blühen; die Felder wurden schön grün. Die Natur ist aufgewacht. Ich habe aus dem Fenster geschaut und gestaunt, wie an einem großen Baum alle Äste gleichzeitig blühten. Die Natur ist schön. Und jetzt kommt Christus zu uns und sagt, schau mal, alle diese Blätter, die du bewunderst, könnten ohne den Stamm nicht blühen, so geschieht es auch mit euch. Wenn ihr nicht an mir festhaltet, werdet ihr nicht blühen und danach Früchte tragen. Wie kann ich mir vorstellen, dass ich ein Ast bin und Christus der Stamm ist? Wie kann ich mir das vorstellen! Wir, Christus und ich, sind in einer Beziehung: ich in ihm und er in mir. Er ist in meinem Geiste und Er wirkt in mir und ich in seinem Geist. Dieses In-mir-sein ist der Stammbaum meines Lebens. Ich kann mich nicht von ihm trennen. Daher sage ich, dass ich in ihm bin. Was hält uns zusammen in solcher Beziehung? Der Glaube. Durch den Glauben nehme ich solche Beziehung, dass er in mir ist, als real und ganz persönlich wahr. Aber solche Verbindung bleibt nur lebendig, wenn ich an seine Worte glaube und danach handle. Johannes sagt es sehr schön: „nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“. Seine Worte bilden meine Weltanschauung und meine Persönlichkeit. „Wohin gehe ich, Christus, nur du hast Worte des Lebens“, sagt Petrus. Das ermöglicht, dass ich blühe und Früchte trage.

Als Ast des Baumes habe ich erfahren, dass, bevor der Winter anbricht, einige Äste neben mir abgeschnitten wurden. Sie waren trocken und morsch. Sie haben keine Früchte gebracht. Als sie geschnitten waren, wurden die anderen Äste kräftiger. Die Beziehung mit Christus war gebrochen. Wir sprechen viel, aber wir machen wenig. Solch Zustand muss geregelt werden. Christus gibt sich nicht zufrieden damit.

Christus ist in mir, in der Tiefe meines Geistes, in dem Verborgenen von mir. Ich soll einen Zugang schaffen zu ihm; ich soll aus dem Äußerlichen von mir zu dieser Tiefe finden. Dafür muss ich frei von dem Äußerlichen sein und mich frei bewegen. Diese Befreiung ist Reinheit. Das Gegenteil ist die Anhänglichkeit an das Äußerliche und an das „Ichselbst“. Aber wenn ich abhängig bin, wenn ich hänge an etwas, das nicht Christus ist, bin ich nicht mehr frei, nicht rein. Ich muss dann einen Reinigungsprozess durchlaufen wie das Abwasser der Stadt, bevor es wieder in den Fluß fließt. Ich soll gereinigt sein, befreit von jeder Anhänglichkeit. Es mag sein, dass ich an etwas Äußerlichem an mir, wie an einer Person, an Dingen meiner Welt, anhänglich bin. Sie sind Objekt meiner Begierde. Dafür habe ich viele Tendenzen, Leidenschaften, die zu diesen Anhänglichkeiten führen. Ich soll lernen, frei von meiner Begierde zu sein. Mit der Begierde suche ich das Glück in dieser äußeren Welt. Denn tatsächlich hindert sie mich und uns, die Beziehung mit Christus lebendig zu erhalten.

Ich habe auch eine innere Welt rund um mein Ich. Der Ort, wo ich Depressionen leide, Einsamkeit fühle, oder ganz überzeugt von der Richtigkeit meiner eigenen Ideen bin, wo ich ganz sentimental bin, mit einer großen Sehnsucht nach Glück strebe, aber enttäuscht bleibe, weil ich es nicht erreiche. Ich kann sogar vor nichts und niemandem Respekt habe, um ein bestimmtes Glück zu erreichen. Es sind große Kräfte in mir, wie der Stolz, die Leidenschaft, wie alle möglichen Instinkte, die mich in meinem Inneren drängen, danach zu handeln, auch wenn ich weiß, dass sie nicht richtig sind. Ich bin nicht frei von mir selbst. Diese Unfreiheit hindert mich, dass ich in Christus bin und er in mir. Die Beziehung ist gebrochen.

Ich soll lernen, mich selbst zu verleugnen, um frei von alldem zu sein. Jede Anhänglichkeit an uns selbst bedeutet ein Hindernis, um in Kontakt mit Christus zu kommen, um den Freiraum zu bekommen, den wir brauchen, um Christus nahe zu kommen. Das ist, was Christus meinte, als er sagte: „Wenn der Samen nicht stirbt, gibt es keine Frucht“. Wir brauchen also die Selbstverleugnung, die Freiheit von uns selbst und unserer Welt, um die Reinheit zu erreichen, die notwendig ist, um die Gegenwart Christi in uns wahrzunehmen, in der er uns Leben gibt, wie der Stamm allen seinen Ästen.